Backups sind was für Weicheier

Linux Pinguin auf einem Schreibtisch mit einem Laptop beim Erstellen eines Backup.

Die wenigsten Menschen machen sich Gedanken über die Sicherung ihrer digitalen Welt. Manche machen sich Gedanken und brauchen die Sicherung nie. Murphy aber schlägt immer dann zu, wenn Du es am wenigsten erwartest. Und dann sind die Augen groß… die schönen Urlaubsbilder… alle weg.

Ich hatte kürzlich ein ähnliches Erlebnis. Ich folgte einer Anleitung auf Youtube, um „Snapshots“ auf meinem System als schnelle Sicherungsmethode vor Updates und der Installation von Software zu nutzen. Ich hatte bei einem Schritt in diesem Tutorial ein leichtes Ziehen in der Magengegend. Sollte ich doch den Standard für das Festplattenvolume und den Konfigurationseintrag für das Startprogramm, den Bootloader Grub anpassen. Ich stehe voll auf Standard. Die von Fedora haben sich schon was dabei gedacht, als sie das so konfiguriert haben.

Naja, ein Systemupdate später hing mein System im „Emergency Modus“ und konnte nicht mehr starten.

Das Gute daran war, dass ich nur einen Starteintrag geändert hatte und den zweiten, für den alten Kernel nicht geändert hatte. Fedora behält immer drei Systemversionen im Boot-Menü. Somit konnte ich den Vorgänger-Kernel booten und den Boot-Menü Eintrag für den neuen Kernel anpassen. Das System startete wieder normal.

Das ist keine Lösung

Nach jedem Kernel-Update den Boot-Menü Eintrag anzupassen ist keine Lösung. Also zurück zum Standard… Und hier bin ich irgendwo falsch abgebogen…

Und hier ging nun gar nichts mehr, mit keinem Kernel, Rescue oder sonst irgendwas. Sicher, ich hätte von einem Live-System über ein chroot mein System einbinden können und versuchen das irgendwie wieder hinzubiegen…

Aber, zum Glück hat er ein Backup

Ein Live Fedora musste ich trotzdem starten, hab dann aber nach 15 Minuten den Stand von vor 2 Tagen wiederhergestellt und nachdem das System gestartet war, synchronisierten sich meine Dateien aus der Cloud und ja, ich musste das System-Update noch einmal laufen lassen.

Meine Backup-Strategie

Desaster-Backup

Für den Fall, das nichts mehr geht. Ransomware-Verschlüsselung, Hardwaredefekt, Fehler durch den Anwender 😉, etc.

  • Immer vor einem Systemupdate bzw. jeden Sonntag, wenn ich Zeit habe.
  • Starten vom Fedora Live-USB-Stick
  • Backup-Platte per USB anstecken.
  • Terminal starten und folgenden Befehl absetzen:
    • sudo dd if=/dev/nvme0n1 of=/dev/sda bs=4096 conv=sync,noerror status=progress
  • Ziemlich primitiv, aber extrem effektiv. Das erstellt eine Blockweise 1:1 Kopie meiner internen Festplatte auf der externen Festplatte. Das dauert 15 Minuten.
  • Externe Platte deshalb, weil diese dann an sicherer Stelle aufbewahrt wird.
  • Block-Kopie sorgt auch dafür, dass der verschlüsselte Inhalt verschlüsselt bleibt.

User-Daten-Backup

Für den Fall, dass ich aus versehen etwas lösche oder aus der Vergangenheit eine alte Version einer Datei wiederherstellen will.

  • Mein Benutzerverzeichnis wird fast täglich auf eine externe USB-Platte gesichert.
  • Dazu nutze ich die Software Vorta, die ein Frontend für Borgbackup bietet
  • Das Ganze ist inkrementell und in wenigen Minuten, im Hintergrund erledigt.

Btrfs Snapshots mit Snapper

Das ist die schnelle Hilfe, wenn ein Systemupdate Probleme macht, oder eine installierte Software nicht so läuft, wie sie soll, etc.

  • Btrfs ist das Dateisystem, das Fedora im Standard nutzt.
  • Es bietet CoW = Copy on Write Funktionalität.
    • Das bedeutet, es überschreibt nie etwas, sondern es schreibt die geänderten Bits an eine andere Stelle auf der Festplatte (SSD) und biegt nach erfolgreichem Schreiben die Metadaten dorthin um. So bleibt das System immer in einem konsistenten Zustand, auch wenn der Rechner abstürzen sollte.
    • Gleichzeitig bietet das System die Möglichkeit den Zustand in Form eines Schnappschusses (Snapshot) einzufrieren. Das kann genutzt werden, um zu diesem Snapshot zurückzukehren, wenn das System zu einem späteren Zeitpunkt Probleme macht.
    • Wenn kein Platz mehr auf der Platte ist, dann wird von den ältesten Artefakten angefangen Speicherplatz freigegeben und genutzt, um neue Änderungen zu schreiben.
  • Ich habe die Konfiguration in etwa so vorgenommen, wie in diesem Video gezeigt. How to Install Fedora 42 with Btrfs Snapshots and Rollback Support. Meine Festplattenstruktur ist eine andere, (Standard Fedora) deshalb kann ich nicht in einen Snapshot booten, da dafür diverse Verzeichnisse beschreibbar sein müssen. Es ist aber nur sinnvoll in einen „read-only“ Snapshot zu booten. Ich müsste (wegen meiner Struktur) in einen read-write Snapshot booten, was diesen verändern würde. Das wäre kontraproduktiv. Für den Desasterfall habe ich meine Desaster-Platte. Und viel schneller bin ich auch über einen Snapshot nicht wieder produktiv, so dass es sich lohnen würde alles noch einmal umzukrempeln.
  • Aktuell sieht die Snapshotliste bei mir so aus.
    Liste von Snapshots in einem Programmfenster der Anwendung Btrfs-Assistant.
    Die Timeline Snapshots werden automatisch jede Stunde durch Snapper erstellt, falls zwischendurch was schief geht. Die dnf-Snapshots wurden vor und nach einer Softwareinstallation automatisch erstellt und ein manueller Snapshot ist auch dabei.

Backups sind was für entspannte Leute

Ich bin froh ein Weichei zu sein und eine für mich funktionierende Backup-Strategie erarbeitet zu haben. Ich muss nicht bis in alle Ewigkeit zurückgehen können, aber schnell wieder produktiv sein und vielleicht eine Datei von vor zwei Wochen noch einmal aus der Sicherung holen.

Was bist Du für ein Backup-Typ. Ein Weichei, ein Abenteurer oder ein Kamikaze-Pilot?

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